Henry Ford sagte einmal: „Nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen macht man ein Vermögen.“ Und er hatte schon zur Jahrhundertwende erkannt, was heute noch Gültigkeit hat. Denn rund 90 Prozent aller Innovationen, die auf den Markt kommen, sind im Prinzip nur Verbesserungen von bestehenden Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen. Lediglich 10 Prozent sind so genannte radikale Innovationen.

Oft sitzt man vor einem leeren Blatt Papier und überlegt krampfhaft, welche neuen Ideen zur Lösung eines Problems oder zur Verbesserung beitragen könnten. Die Checkliste nach Alexander Osborn, dem Erfinder des Brainstormings, liefert eine Reihe von in der Praxis erprobten Denkanstössen. Diese Denkanstösse hätten die Erfinder von Post it gut benötigen können.

POST-IT

1968 beschäftigte sich Spencer Silver von der Minnesota Mining and Manufacturing Company mit der Entwicklung eines neuen Superklebers, welcher stärker als alle bekannten Kleber werden sollte. Das Ergebnis seiner Arbeit war jedoch nur eine klebrige Masse, die sich zwar auf allen Flächen auftragen ließ, jedoch auch genauso leicht wieder abzulösen war. Das einzige Produkt, das sich daraus entwickelte, war eine Art Pinnwand, die jedoch ohne Pins auskommen sollte. Das Board wurde mit dem Klebstoff bestrichen, so dass sich Zettel einfach hinkleben und wieder ablösen ließen. Da sich dieses Board nur schlecht verkaufte, wurde es vom Markt genommen und die Erfindung von Spencer Silver geriet in Vergessenheit. (www.wikipedia.de)

Jahre später, 1974, ärgerte sich Art Fry – Mitglied eines Kirchenchors und ein Kollege Spencer Silvers – darüber, dass ihm seine Lesezeichen im Stehen ständig aus den Notenheften herausfielen. Er erinnerte sich an die Erfindung seines Kollegen und holte sich eine Probe des Klebers aus dem Labor. Er trug ihn auf kleine Zettel auf und erprobte seine Erfindung gleich am nächsten Sonntag in der Kirche. Und tatsächlich hafteten seine Lesezeichen zuverlässig, ließen sich aber dennoch leicht lösen, ohne die Notenblätter zu zerstören. Die Pos-its waren erfunden. Wäre damals bereits die Osborncheckliste verwendet worden, hätte es mit der Verbesserung nicht solange gedauert.

Einsatzmöglichkeiten

Die Osborn Checkliste bietet sich für alle Problemkreise an. Besonders gute Erfolge erzielt man damit im kontinuierlichen Verbesserungsprozess; bei der Optimierung und Findung neuer Produkte.

Ziel/Nutzen

Osborn Checkliste wurde ursprünglich als Ergänzung und Hilfsmittel zum Brainstorming gesehen. Durch die Anregungen der Checkliste können Gedanken in gänzlich verschiedene Richtungen getrieben werden, auch in solche, auf die man von alleine gar nicht kommt.

Fragen nach Alexander Osborn

Neuer Nutzen:

Gibt es neue Wege, um das Produkt/ den Service anders zu nutzen?

Welche Parallelen zu anderen Projekten/ Funktionen lassen sich finden?

Gibt es eine andere Zielgruppe? Oder eine neue Verwendung für die bestehende Zielgruppe?

Anpassen:

Was kann ich aus der Praxis der eigenen Organisation oder vom Wettbewerb nachahmen?

Gibt es etwas, was ähnlich ist? Welcher Idee kann ich nacheifern?

Modifizieren:

Sind andere Gerüche, Farben, Formen und Töne denkbar?

Lassen sich Lösungen / Ideen in andere Kontexte stellen?

Vergrößern:

Was kann hinzugefügt werden?

Kann man etwas vergrößern? Kann man etwas dicker, schwerer, farbiger machen?

Wie kann man neue Bestandteile hinzufügen?

Verkleinern:

Was könnte man abziehen oder wegnehmen?

Kann man es kleiner, niedlicher, kompakter oder kürzer machen?

Welche Teillösung ist denkbar?

Ersetzen:

Wen oder was kann man ersetzen – Zutaten, Materialien, Prozesse, Kräfte, Orte, Stimmungen?

Kann man die Reihenfolge ändern?

Kombinieren:

Wie wäre es mit einer Mischung? Einen Verbund machen? Mit einem Zusammenspiel, einer Kombination von Einheiten, Zwecken, Vorzügen, Ideen?

Umkehren:

Was leistet das Gegenstück?

Kann Positives und Negatives umgekehrt werden?

Egal ob mit der Osborncheckliste oder einer anderen Kreativitätstechnik gearbeitet wird: Wichtig ist, dass in der ersten Phase viele Ideen gesucht werden. Der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling sagte dazu: „Die beste Methode, eine gute Idee zu bekommen, ist, viele Ideen zu haben!“