Die richtigen Fragen im Bewerbungsgespräch. So erkennen Sie das kreative Potential eines neuen Mitarbeiters!
In jedem Menschen steckt kreatives Potential. Oft wird es in Unternehmungen nicht genug gefördert. Daher verlieren viele Mitarbeiter die Motivation, kreativ an Ihre Arbeit heranzugehen. Wie können Sie nun erkennen, ob Ihr zukünftiger Mitarbeiter jemand ist der seine Arbeitsanforderungen kreativ und mit seinen Möglichkeiten löst, oder ob er jemand ist, der sich in einem prozessorientieren und strukturiertem Umfeld wohler fühlt.
Siegmund Freud
Siegmund Freud war in der Geschichte der Psychologie einer derjenigen, die sich mit der Feststellung der Eigenschaften beschäftigten, die die Grundlage der Persönlichkeit darstellen. Freud hatte zwei Schüler – Jung und Adler. Die Grundlage der
Persönlichkeitseigenschaften – möglichkeitsorientiert oder prozessorientiert – stützt sich weitgehend auf die Arbeit von C. G. Jung, wie sie in seinem Buch „Psychologische Typen“ von 1923 beschrieben sind. Wesentlich für die kreative Motivation von Menschen sind die Eigenschaften „Möglichkeiten oder Prozess“.
Möglichkeiten
Möglichkeitsorientierte Personen sind motiviert, wenn sie die Gelegenheit und Möglichkeit dazu haben, etwas auf eine neue Weise zu machen. Sie lieben es, Verfahren und Systeme zu entwickeln, haben aber Schwierigkeiten damit, diese selbst zu verfolgen. Unbegrenzte Möglichkeiten und neue Ideen üben eine ungeheuere Anziehungskraft auf sie aus. Sie entwickeln gerne neue Ideen und Projekte, doch sie verspüren nicht den unbedingten Drang, diese auch zu Ende zu führen.
Prozess
Prozessorientierte Personen bevorzugen klare Vorgaben und halten sich gerne an feste Abläufe. Sie gehen gerne Schritt für Schritt vor und halten an einem Weg fest, wenn sich dieser bewährt haben sollte. Sie sind daran interessiert, wie etwas gemacht wird, nicht daran, warum etwas ist, wie es ist. Ohne ein vorgegebenes Verfahren fühlen sich prozedurale Personen verloren und kommen nicht weiter. Wenn sie einen Prozess beginnen, ist es für sie am wichtigsten, zum Ende des Prozesses zu gelangen. Wenn sie etwas anfangen, werden sie es auch zu Ende führen.
40% streben nach Möglichkeiten
Für den Arbeitskontext haben Wissenschafter ermittelt, dass rund 40% der Bevölkerung möglichkeitsorientiert sind und 40% Prozesse bevorzugen. 20% bevorzugen gleichermaßen Optionen und Prozeduren.
Recruiting
Diesen Eigenschaften kommt eine große Bedeutung im beruflichen Kontext zu, weil es viel über die Motivation und Vorgehensweise einer Person aussagt. Dies trifft nicht nur auf den Bereich der Mitarbeiterrekrutierung zu, wo es sowohl für den neuen Mitarbeiter, als auch für die Firma von großem Interesse ist, bereits im Vorfeld einer
möglichen Einstellung zu ermitteln, ob die vakante Stelle dem Verhaltensmuster des Interessenten entgegenkommt. Bereits beim Erstellen des Anforderungsprofils einer Position muss hinterfragt werden, ob es vorwiegend darum geht, Prozeduren zu befolgen, oder neue Ideen und Lösungen zu entwickeln. Daraus folgt, dass es Positionen gibt, die von Natur aus optional bzw. prozedural sind.
Fragen
Das Modell, das sich jeder Mensch von der Realität erschafft, entsteht mit Hilfe der Wahrnehmung und deren Bewertung. Die Fragen, die uns im Zusammenhang mit diesem oben erwähnten Persönlichkeitseigenschaften Aufschluss über die Muster geben sollen, beginnen mit „Warum“. Also bezogen auf den zu hinterfragten Kontext.
- Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
- Warum haben Sie diese Arbeit gewählt?
- Warum betreiben Sie gerade diesen Sport, Hobby usw.?
- Oder aber: Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?
Sprachmuster
Wenn eine möglichkeitsorientierte bzw. optionale Person die Frage „Warum“ hört, antwortet diese mit einer Liste von Kriterien. Prozedural orientierte Personen tilgen dieses „Warum“ und ersetzten es durch: Wie es dazu gekommen ist.
Der optionale Mensch liefert Ihnen also eine Kriterienliste, während der prozedurale Mensch eine Liste von Begebenheiten oder Umständen liefert.
Die nachfolgende Klassifizierung hilft Ihnen, eine Unterscheidung zu treffen:
Optionen
- Liste von Kriterien
- Gelegenheiten, Möglichkeiten
- Vermehren von Optionen und Wahlmöglichkeiten
Prozeduren
- Haben nicht selbst gewählt.
- Antworten auf Fragen nach dem „Warum“ damit, „Wie“ es zu etwas gekommen sei.
- Ereignisse, Umstände, die zu etwas geführt haben, Anekdoten
Wenn Sie also für eine Stelle in Ihrem Unternehmen kreative Menschen suchen, dann entscheiden Sie sich in erster Linie für den optionalen Menschentypen, der in Möglichkeiten und in neuen Ideen aufgeht. Er liebt es Neues zu schaffen, und Prozesse neu zu überdenken. Überlegen Sie sich bereits bei der Formulierung der Stellenanzeige, wie Sie diese Personengruppe am besten ansprechen können. Beschreiben Sie die Stelle in all ihren Möglichkeiten und lassen Sie Wörter, die Prozesse beschreiben, so weit wie möglich weg. Viel Spaß bei den zukünftigen Bewerbungsgesprächen!
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von kubiczek am 21. April 2011 um 19:01 veröffentlicht und unter Aktuell abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |

